Der Verdacht auf eine CA-induzierte Leberaffektion stellt sich insbesondere dann, wenn in einem plausiblen zeitlichen Zusammenhang mit einer bestimmten Medikation die Leberwerte ansteigen und nach Absetzen oder Dosisreduktion wieder abfallen. Ein plausibles zeitliches Intervall für die Manifestation einer medikamentenbedingten Leberaffektion liegt zwischen dem 5. und 90. Tag nach Therapiebeginn, aber auch noch bis 15 Tage nach Absetzen einer Medikation. Ein zeitlicher Zusammenhang mit Beginn der Reaktion in diesem Zeitintervall und zusätzlich Besserung nach Absetzen/Dosisreduktion ist jedoch keineswegs beweisend für eine Kausalität. Neben der Begleitmedikation, die einschließlich von Interaktionen der Begleitmedikation mit der CA in Betracht zu ziehen ist, kommen nicht selten Virusinfektionen und andere potenziell reversible Ursachen einer Leber-symptomatik in Betracht, die sich in zufälligem zeitlichen Zusammenhang mit der CA ereignen. Zur Sicherung der Kausalität sollten diese unbedingt ausgeschlossen bzw. bestätigt werden. 

 

Der Ausschluss von Virusinfektionen ist besonders wichtig und muss zeitnah durchgeführt werden, weil nach einiger Zeit eine akute Infektion von einer länger zurückreichenden Infektion, die mit dem akuten Ereignis nicht in ursächlichem Zusammenhang steht, oft nicht mehr zu unterscheiden ist! Da diese Diagnostik im Allgemeinen in der Klinik oder ambulant nicht ausreichend durchgeführt wird, sollte der TCM-Therapeut nach Möglichkeit diese selbst veranlassen bzw. darauf dringen, dass diese vollständig vorgenommen wird! 

1) Testempfehlungen zum Nachweis/Ausschluss einer akuten Virus-Hepatitis 

(in Anlehnung an Teschke et al., 2013[1])

Virusinfektion

 wird positiv wann?

 bleibt positiv wie lange?

Hepatitis A:    
anti-HAV-IgM bei Erkrankungsbeginn immer pos. 2 bis 6 Monate
Hepatitis B:    
HBs-AG bei Erkrankungsbeginn in 5% neg . z.T auch bei chron. Hep. B pos.
 plus
anti-Hbc-IgM
 bei Erkrankungsbeginn fast immer pos.  bleibt >2 Mon. pos.
 evt. auch:
HBV-DNA
 bei Erkrankungsbeginn immer pos.  bleibt bei chron. Hep. B pos.
Hepatitis C:    
anti-HCV bei Erkrankungsbeginn in >50% pos. bei chon. Hep. C in >90% pos.
plus
HCV-RNA
bei Erkrankungsbeginn fast immer pos. bei akuter/chron. Hep. C pos.
Hepatitis E:    
anti-HEV-IgM bei Erkrankungsbeginn in ca. 80% pos.

 bleibt 1,5 bis 3 Mon. nach Infektionsbeginn pos. 

plus
HEV-RNA
? bei akuter/chron. Hep. E pos.
EBV (Mononukleose):    
anti-VCA-IgM oder
-IgG-Titerverlauf
bei Erkrankungsbeginn meist pos.
(Kreuzreaktion mit CMV möglich)
bleibt 4 bis 10 Wo. pos.
plus
anti-EA
wird etwas später pos. bleibt ca. 3 bis 6 Mon. pos.
Cytomegalie:    
anti-CMV-IgG-
Titeranstieg
mindestens 4facher Anstieg beweisend IgG bleibt lebenslang erhöht
plus
anti-CMV-IgM
?(Kreuzreaktion mit EBV möglich) auch bei reaktivierter Infekt. pos.

 

Tests für weitere, seltene infektionsbedingte Ursachen: 

Herpes simplex-Infektion

anti-HSV-IgM 

anti-HSV-IgG 

Varicellen-Zoster-Infektion: 

anti-VZV-IgM 

anti-VZV-IgG 

2) Bildgebendes Verfahren 

Sonografie/CT/MRT oder andere Verfahren sind zum Ausschluss einer Gallenwegsobstruktion bzw. anderer darstellbarer struktureller Ursachen erforderlich. 

3) Alkoholismus mit akutem Exzess? 

Hinweis: AST > ALT 

4) Stattgehabtes akutes Ereignis mit starkem Blutdruckabfall? 

insbesondere bei einer zugrunde liegenden Herzerkrankung 

5) Weitere Differentialdiagnosen 

Diese sind umfangreich, klären sich aber meist im Verlauf auf, indem sie progredient oder chronisch verlaufen und in der Regel im Zuge der dann erfolgenden üblichen Diagnostik erkannt werden. Hier soll daher nicht weiter darauf eingegangen werden. Eine Überweisung zum Leberspezialisten ist zu empfehlen. 

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Quelle: 

1. Teschke R, Frenzel C, Schulze J and Eickhoff A. Herbal hepatotoxicity: Challenges and pitfalls of 

causality assessment methods. World J Gastroenterol 2013;19:2864-82