Der Verdacht auf eine CA-induzierte Leberaffektion stellt sich insbesondere dann, wenn in einem plausiblen zeitlichen Zusammenhang mit einer bestimmten Medikation die Leberwerte ansteigen und nach Absetzen oder Dosisreduktion wieder abfallen. Ein plausibles zeitliches Intervall für die Manifestation einer medikamentenbedingten Leberaffektion liegt zwischen dem 5. und 90. Tag nach Therapiebeginn, aber auch noch bis 15 Tage nach Absetzen einer Medikation. Ein zeitlicher Zusammenhang mit Beginn der Reaktion in diesem Zeitintervall und zusätzlich Besserung nach Absetzen/Dosisreduktion ist jedoch keineswegs beweisend für eine Kausalität. Neben der Begleitmedikation, die einschließlich von Interaktionen der Begleitmedikation mit der CA in Betracht zu ziehen ist, kommen nicht selten Virusinfektionen und andere potenziell reversible Ursachen einer Leber-symptomatik in Betracht, die sich in zufälligem zeitlichen Zusammenhang mit der CA ereignen. Zur Sicherung der Kausalität sollten diese unbedingt ausgeschlossen bzw. bestätigt werden. 

Autor: Axel Wiebrecht

Leberschäden durch Chinesische Arzneitherapie (CA) sind insgesamt ein seltenes Ereignis, dennoch wohl die wichtigste Nebenwirkung, die es in dieser Therapieform zu beachten gilt. Sie machen ungefähr die Hälfte der Meldungen von unerwünschten Arzneimittelwirkungen an das CTCA aus. Leichte Erhöhungen der Leberenzyme bis zum Doppelten des oberen Normwertes stellen eher eine Anpassungsreaktion der Leber an erhöhte Stoffwechselleistungen als eine Schädigung dar [1]. Darüber hinaus gehende Enzymerhöhungen kommen in knapp einem Prozent der Behandlungen mit CA vor und normalisieren sich häufig unter Fortsetzung der Therapie bzw. nach Dosisreduktion [2, 3]. Etwa 75 Prozent der Leberwerte, die bereits vor Therapie erhöht waren, gingen unter der CA zurück oder blieben gleich [3].